


Fotografie
„Sorry, I’m Not From Here“ ist eine zweiteilige fotografische Arbeit, die sich mit Identität, Migration und Zugehörigkeit im Kontext der USA auseinandersetzt. Teil I besteht aus einem 750-seitigen Fotobuch mit Aufnahmen aus den Jahren 2023 bis 2025 – einer Zeit, in der Olivia Rodriguez als deutsche Kunststudentin drei Semester an der Chico State University in Kalifornien verbrachte. Die Fotografien sind uninszenierte Momentaufnahmen, aufgenommen mit dem Smartphone: Autos, Flaggen, Waffen, Lebensmittel (…). In ihrer Masse bilden sie ein visuelles Tagebuch, das nahezu katalogartig die Reizüberflutung sowie Olivia Rodriguez’ Faszination für die ästhetischen und ideologischen Eigenheiten der amerikanischen Kultur widerspiegelt. Während dieser Zeit heiratete sie ihre amerikanische Partnerin und wurde Teil einer US-amerikanischen Familie. Dadurch verschob sich ihre Perspektive: Aus der distanzierten Beobachterin wurde eine Beteiligte, eine Migrantin – jemand, der Teil eines Systems wird, das zuvor nur von außen betrachtet wurde. Diese Bewegung von Fremdheit zu Teilhabe bildet das zentrale Motiv der Arbeit. Teil II überführt sieben ausgewählte Motive aus dem Fotobuch in eine räumliche Installation aus großformatigen Leuchtkästen. In einem vollständig abgedunkelten Raum fungieren sie als einzige Lichtquelle – zugleich sakral und plakativ. Aufgewachsen mit medialen Bildern eines glamourösen, freien und erfolgreichen Amerikas, galt das Land für ihre Generation als Sehnsuchtsort. Der von Hollywood geprägte American Dream zerfiel jedoch mit der gelebten Erfahrung vor Ort. Die Leuchtkästen verhandeln diese Ambivalenz: Die Motive erscheinen wie Werbebilder einer Nation, die sich unablässig selbst inszeniert und vermarktet. Zwischen Bewunderung und Ironie, Faszination und Distanz thematisiert die Arbeit das Spannungsfeld von Schein und Sein.



Fotografie
Sarah Kinberger bewegt sich in ihrer künstlerischen Praxis an der Schnittstelle von Bildhauerei, Fotografie und Druckgrafik. Im Zentrum steht ein sensibles Spiel mit Materialität: von gerasterten Siebdrucken auf Papier und Metall bis hin zu typografischen Setzungen. Die Verbindung und Überlagerung dieser Medien erlaubt ihr, komplexe atmosphärische Räume zu erzeugen, in denen Präsenz und Abwesenheit gleichermaßen spürbar werden. Thematisch kreist ihre Arbeit um körperliche Resonanz im Raum, um Zwischenzustände der Wahrnehmung sowie um verdrängte Erinnerungen im Sinne einer psychoanalytischen Bildsprache. Ihre aktuellen Arbeiten (2025) untersuchen das Spannungsfeld zwischen Traum und Realität, zwischen Erinnerung und Verdrängung. Durch das Schichten von Farbe, Material und Bildfragmenten entstehen visuelle Ebenen, die sich nie vollständig fassen lassen – sie bleiben offen, vielschichtig und latent.
